Elisa Gérard war Zwangsarbeiterin im Siemens-Luftgerätewerk
Das Bezirksamt Spandau hat Anfang Juli die Umbenennung der bisherigen Carossastraße in Hakenfelde in Elisa-Gérard-Straße vorgenommen. Rahmen der Veranstaltung wurde das neue Straßenschild von Bezirksbürgermeister Frank Beweig und Baustadtrat Thorsten Schatz enthüllt. Schatz erläuterte „Mit der Elisa-Gérard-Straße wird die Geschichte dieses Ortes dauerhaft im Stadtbild sichtbar. Die Benennung erinnert an Elisa Gérard und zugleich stellvertretend an die vielen Menschen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft nach Spandau verschleppt und hier in Rüstungsbetrieben zur Arbeit gezwungen wurden. Sie setzt damit ein klares Zeichen gegen das Vergessen.“
Jugendbezirksstadträtin Tanja Franzke ergänzte: „Für mich ist diese Straßenumbenennung ein Symbol dafür, dass wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und den Menschen einen Platz in unserer Erinnerung zu geben, deren Schicksale lange im Verborgenen geblieben sind. Ich freue mich, dass die Erinnerung an Elisa Gérard von jungen Menschen mitgetragen und mitgestaltet wurde. Seit vielen Jahren zeigt die Jugendgeschichtswerkstatt des Jugendamtes, wie wertvoll historische Jugend- und Bildungsarbeit ist – wenn junge Menschen selbst forschen und Fragen stellen und damit Geschichte greifbar machen.“
Wer war Elisa Gérard?
Elisa Gérard wurde 1922 im elsässischen Pfastatt geboren. Von Mai 1942 bis zum Frühjahr 1945 musste sie im damaligen Siemens-Luftfahrtgerätewerk in Spandau-Hakenfelde Zwangsarbeit leisten. Drei Jahre lang stellte sie dort an derselben Maschine Teile für die Flugzeugproduktion her. Nach Kriegsende konnte sie in ihre Heimat zurückkehren.
Die JGW verbindet mit Elisa Gérard eine langjährige persönliche Geschichte: Vor rund fünfzehn Jahren besuchten die JGW und acht Jugendliche sie in ihrem Heimatort Saint-Brevin in der Bretagne.
Für Elisa Gérard war dies das erste Mal, dass sie mit jungen Deutschen über ihre Erfahrungen als Zwangsarbeiterin sprach. Zu den bewegendsten Momenten der Veranstaltung gehörten die gezeigten Ausschnitte aus dem damaligen Interview. Darin erzählt Elisa Gérard von ihrem Leben und singt am Ende ein Lied aus ihrer Jugend: sie hatte einst den Traum, Sängerin zu werden. Besonders schön war, dass drei Teilnehmerinnen der damaligen Reise auch bei der Straßenumbenennung anwesend waren.
Darüber hinaus hatten sich Schülerinnen des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums intensiv mit dem Leben von Elisa Gérard auseinandergesetzt und ihre Erkenntnisse bei der Veranstaltung mit den Gästen geteilt. Da Elisa Gérard inzwischen verstorben ist, wurde außerdem ein Grußwort ihrer Familie verlesen.
Neben der Umbenennung der Carossastraße wurden auch die Benennung zweier neuer Privatstraßen im Haveluferquartier nach Meta London und Marius Carpentier vorgenommen. Auch diese beiden mussten während der NS- Zwangsarbeit Zeit im Luftfahrtgerätewerk leisten.
Die neuen Straßennamen machen das erlittene Unrecht nicht ungeschehen. Aber sie sorgen dafür, dass die Namen und Lebensgeschichten der Betroffenen nicht vergessen werden.









